Reverse-Charge-Verfahren einfach erklärt – was KMU in der Schweiz wissen müssen
- 2. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Das Reverse-Charge-Verfahren ist ein zentraler Begriff im Bereich der Mehrwertsteuer (MWST), insbesondere bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen. Für viele KMU in der Schweiz sorgt dieses Verfahren jedoch für Unsicherheit. Dabei ist das Prinzip einfach – wenn man es richtig versteht.

Was bedeutet Reverse-Charge?
Beim Reverse-Charge-Verfahren (Bezugssteuer) wird die Steuerschuld vom Leistungserbringer auf den Leistungsempfänger verlagert. Das bedeutet: Nicht der ausländische Anbieter stellt die MWST in Rechnung, sondern das Schweizer Unternehmen muss die Steuer selbst deklarieren und abrechnen.
Dieses Verfahren kommt vor allem dann zur Anwendung, wenn ein Schweizer KMU Dienstleistungen aus dem Ausland bezieht, beispielsweise Beratungsleistungen, IT-Services oder Marketingdienstleistungen.
Wann greift das Reverse-Charge-Verfahren?
Das Reverse-Charge-Verfahren ist in der Schweiz immer dann relevant, wenn:
ein Unternehmen Leistungen von einem ausländischen Anbieter bezieht
der Leistungsort in der Schweiz liegt
keine Schweizer MWST durch den Anbieter in Rechnung gestellt wird
In solchen Fällen ist das KMU verpflichtet, die sogenannte Bezugssteuer im Rahmen der MWST-Abrechnung zu deklarieren.
Wie funktioniert die Abrechnung konkret?
Das Verfahren ist in der Praxis weniger kompliziert als oft angenommen:
Das Unternehmen erhält eine Rechnung ohne MWST aus dem Ausland
Die entsprechende MWST wird selbst berechnet (zum geltenden MWST-Satz)
Die Steuer wird in der MWST-Abrechnung als Umsatz und gleichzeitig als Vorsteuer erfasst (sofern abzugsberechtigt)
Dadurch entsteht in vielen Fällen keine effektive Steuerbelastung – vorausgesetzt, der volle Vorsteuerabzug ist möglich.
Typische Fehler in der Praxis
Gerade bei KMU treten im Zusammenhang mit dem Reverse-Charge-Verfahren häufig Fehler auf:
Bezugssteuer wird nicht oder zu spät deklariert
Leistungen aus dem Ausland werden nicht erkannt
falsche MWST-Sätze werden angewendet
Vorsteuerabzug wird zu Unrecht oder gar nicht geltend gemacht
Diese Fehler können bei einer MWST-Prüfung zu Nachzahlungen und Verzugszinsen führen.
Warum das Thema für KMU wichtig ist
Mit der zunehmenden Digitalisierung beziehen viele Unternehmen regelmässig Dienstleistungen aus dem Ausland. Damit gewinnt das Reverse-Charge-Verfahren immer mehr an Bedeutung. Eine korrekte Handhabung ist entscheidend, um steuerliche Risiken zu vermeiden und die MWST-Abrechnung sauber zu führen.
Fazit
Das Reverse-Charge-Verfahren ist ein wichtiger Bestandteil der Mehrwertsteuer in der Schweiz und betrifft viele KMU im Alltag. Wer die Grundprinzipien kennt und korrekt anwendet, kann Fehler vermeiden und administrative Prozesse effizient gestalten.
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